Dir lieber Gast,

Du bist mir sehr wichtig, ich mir aber auch. Erich Fried sagt „Mache Dich erst selbst glücklich, dann machst Du auch andere glücklich.“ Daran halte ich mich.

Ich wurde einmal gefragt „Wieso haben Sie denn keine Speisekarte?“ Ich sagte: „Haben Sie eine, wenn sie Gäste haben?“ Es gibt viele Gründe warum ich das tue: schonender Umgang mit den Produkten, den Lebensmitteln – keine lange und hohe Vorratshaltung, Wirtschaftlichkeit und Respekt vor der Umwelt. Im Übrigen fordert es die Kreativität des Kochs, wenn er sich jeden Tag ein anderes Menü ausdenkt, das zumindest aus vier Gängen besteht und täglich frisch und gut zubereitet werden will. Ich folge dem Prinzip des la Table d`hôte (die Tafel des Hausherrn): Auf den französischen Landgütern aß der Patron mit seiner Familie und seinen Hilfen an einem Tisch und wenn ein Wanderer kam, aß er als Gast einfach mit.

"Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein!" - Faust I, Vers 940 / Faust

Ich bin Koch – mit höchsten Erwartungen an die Güte aller Zutaten - Ziel ist, den ursprünglichen Geschmack zu erhalten, zu verfeinern und neu zu komponieren. Der Steinpilz ist aus den heimischen Wäldern wie auch das Wildbrett und die rote Melde. Mein Gemüse und meine Kartoffeln kaufe ich beim Bauern, der sich unweit vom Landhaus befindet. Das Rindvieh frisst auf der Weide im nächsten Dorf und der Zander schwimmt nicht nur in der Mosel, bevor sie in meine Küche kommen. Es versteht sich von selbst, dass ich den Bretonischen Steinbutt nicht im hiesigen Dorfbach fange, aber ich weiß, dass er fair geangelt wurde. Der Rohmilchkäse kommt aus Frankreich und ich liebe Geflügel aus der „Bresse“ oder „Landes De Gascogne.“ Ich lasse den Rohstoffen ihre Ursprünglichkeit und versuche aus einer Möhre keinen Tropfen oder Schaum zu machen: je einfacher desto besser. Die Möhre sagt mir wie sie geschnitten werden will und ich tue Ihr diesen Gefallen (oder ich lasse ihr ihren Willen). Im Übrigen – meine Nachbarin die Postfrau hat die Besten – sie sehen zwar etwas komisch aus, schmecken aber hervorragend.

Es gibt das Pot au Feu und die Foie Gras, Kaviar mit Kartoffelküchlein und Crème fraîche oder Gefüllte Wachtel im Blätterteig. Und ich esse nun mal gerne Krustentiere, dazu gehört auch Mister Hummer, den ich sehr schätze, weil er so leicht nach Nüssen schmeckt. Am besten ganz einfach zubereitet, kurz blanchieren, grillen – lecker. Alternativen gibt es immer - kein Fisch, dann halt Geflügel oder fleischlos. Bis jetzt habe ich keinen Trüffel im Hunsrück gefunden, zu manchen Gerichten passt er aber einfach – zur Gefüllten Wachtel, zum Fasan mit Kartoffeltrüffelpüree.

Und was wäre ein Landhaus ohne guten Weinkeller: Leckereien aus dem Burgund und dem Bordeaux, aber auch von der Mosel und der Nahe. Genuss lädt zum Schlafen ein. In unseren behaglich eingerichteten Gästezimmern kannst Du Dich Deinen Träumen überlassen. Ein Fliederbaum vor dem Fenster oder Blick auf ferne Höhenzüge begrüßt Dich dann beim Zurück ins wirkliche Leben. Lasse Deine Seele baumeln, je nach Neigung im Ohrensessel oder in der gut sortierten Bibliothek, im Puppenstübchen beim Fernsehen oder im Liegestuhl auf der Obstbaumwiese.

Auf das Haus – ein stattliches Anwesen mit neuzeitlichem Komfort – war man schon in den Gründerjahren stolz. Durch eine sorgsame Restaurierung haben wir das Erscheinungsbild bewahrt, ihm aber die Annehmlichkeiten eines modernen Hotelbetriebes hinzugefügt. Bei mir bekommst Du Ruhe, Luft, Raum, Zeit und Geborgenheit - natürlich noch vieles mehr wie Kunst, Musik und Literatur und in Wirklichkeit kann tatsächlich das Bauernbrot mit Knoblauch und Olivenöl im Verein mit einem Chianti Classico den kulinarischen Glückszustand herstellen. Ein bisschen Drum und Dran sollte jedoch sein: der Himmel blau, die Arbeit fern und die Liebste nah und allmählich bemerkst Du, dass Gesundheit und Ruhe, Nichtstun und Erholung die letzten Reserven des Luxus sind.

Und ich, ich bin so wie ich bin, einfach Udo; manche mögen’s, manche mögen‘s nicht. So wie es ist, ist es gut, was nicht heißt, dass ich mich nicht entwickle – ich lerne jeden Tag dazu und versuche mich ständig zu verbessern. Das ist mir sehr wichtig. Eine junge Frau sagte mal zu mir „Kochen kann er aber.“ Ich habe mir geschworen das Andere – was immer das heißt – auch noch zu können.

"Sobald du dir vertraust, sobald weißt du zu leben."

- Faust I, Vers 2062 / Mephistopheles

 

Du sollst wissen worauf Du Dich einlässt.

Ich freue mich auf Deinen Besuch,

Udo